Natalia Grigorieva
print grapharts video web music
Wiengasse 2
A-1140 Vienna
+43 676 3893511
gugn@inbox.ru
Johannes Brahms Sonate Nr. 1 G-Dur op. 78 moderntimes_1800 Challenge Classics |
|
sound examples: Sonate Nr. 1 G-Dur op. 78: Adagio - Piu andante - Adagio Sonate Nr. 2 A-Dur op. 100: Allegro amabile Sonate Nr. 3 d-Moll op.108: Allegro; Un poco presto e con sentimento |
|
press review: "Die 5-Sterne-Aufnahme. Großer Atem mit erdigem Klang", Karsten Dürer "Sphärenwechsel", Norbert Hornig. Fono Forum 04. 2008 |
|
Articulation and balance in this recording were developed from the way the instruments were handled. Ilia Korol plays a violin of Cai von Stietencron in the traditional style of Cremona, Italy; however, it features ‘modernisations’ of the kind that were usual in the period of Brahms. In other words the neck, bass-bar, finger board and bridge were altered to achieve a more brilliant, powerful tone. But in Vienna gut strings were still being used; this recording follows suit. |
|
„Ich bewundere die Stolzen und Kalten, die auf den Pfaden der großen, der dämonischen Schönheit abenteuern und den ‚Menschen’ verachten, - aber ich beneide sie nicht. Denn wenn irgend etwas imstande ist, aus einem Literaten einen Dichter zu machen, so ist es diese meine Bürgerliebe zum Menschlichen, Lebendigen und Gewöhnlichen. Alle Wärme, alle Güte, aller Humor kommt aus ihr, und fast will mir scheinen, als sei sie jene Liebe selbst, von der geschrieben steht, daß einer mit Menschen- und Engelszungen reden könne und ohne sie doch nur tönendes Erz und eine klingende Schelle sei.“ Hans Mayer hat in seinem „Denkmal für Johannes Brahms“ Brahms als einen „bürgerlichen“ Künstlers beschrieben: Bürgertum verstand er dabei im besten Sinne, als liberale Gesinnung, die weder klein-bürgerlicher Enge noch gigantomanischer Selbstüberhebung verfällt. Es war die gebildete bürgerliche Mittelschicht, die im 19. Jahrhundert diese Gesinnung repräsentierte und eine tragende Rolle für das kulturelle Leben spielte. In diesem gesellschaftlichen Rahmen wurde Kammermusik gepflegt, zum einen im Konzertsaal, zum anderen in Form von Hausmusik, wo sie rezipiert, aber auch von Laien selbst gespielt wurde; ungeachtet des blühenden Virtuosentums gab es in diesem Bereich noch keine durchgehende Trennung zwischen ausübenden Profis und ausschließlich rezipierendem Publikum. Arnold Schering charakterisierte dieses gebildete Bürgertum als traditionsbewußt, aber offen für Neues, andere beschrieben es als engherzig und einem epigonalen Klassizismus verhaftet: Vorwürfe, die auch Brahms immer wieder gemacht wurden. Brahms stand ausdrücklich in Opposition zu Liszt und Wagner, auch wenn er Liszt als Musiker geschätzt hat: Er mißtraute dem egomanischen Geniekult und dem Drang seiner Epoche, in der Künstler sich selbst „gleichzeitig an die Stelle der einstigen Feudalwelt UND an die Stelle der Religion“ setzten (Hans Mayer). Er war ohne Zweifel ein Konservativer, ehrfürchtig vor dem Erbe der Klassiker, der von Beethoven als dem „Hohen“ sprach und den es beängstigte, daß man ihn als dessen legitimen Erbe apostrophierte; er war ein Selbstzweifler und Perfektionist, der immer wieder an seinen Kompositionen feilte und verbesserte und wohl auch vieles, was er geschrieben hat, wieder vernichtet hat. Seine große Leidenschaft, die Liebe zu Clara Schumann, versagte er sich mit protestantischer Selbstzucht: Leidenschaften seien „Ausnahme oder Auswüchse“, schrieb er ihr 1859, sie müßten vergehen, „oder man muß sie vertreiben“. Man meint, diese Strenge, den Kampf um die Zügelung der Leidenschaft in der Musik zu hören: Emotion und Leidenschaft sind allgegenwärtig, aber Brahms schwelgt nie in Harmonien und läßt ihnen nie die Zügel schießen. Die Violinsonate op. 78 G-Dur schrieb Brahms 1878-79 in Bonn. Nach einem gut gelaunten, lebhaften „Vivace ma non troppo“ schlägt die Stimmung um in ein ernstes Adagio. Im dritten Satz zitiert Brahms sein einige Jahre zuvor geschriebenes „Regenlied“ op. 59,3 (Text: Klaus Groth). Clara Schumann hat die von ihr „so schwärmerisch geliebte Melodie“ in der Sonate voller Freude wiedererkannt: „Walle, Regen, walle nieder, Den Sommer 1883 verbrachte Brahms in Wiesbaden: Tagsüber arbeitete er an der Dritten Symphonie; die Abende und Wochenenden verbrachte er in Rüdesheim bei Rudolph von Beckenrath: einem Weinhändler, Amateur-Geiger und Besitzer einer Stradivari. Mit ihm spielte Brahms den Sommer über Violinsonaten von Mozart, Beethoven und Grieg. In diese Zeit fallen die ersten Skizzen zur A-Dur-Sonate op. 100. Die Sonate d-Moll op. 108 hat einen anderen Charakter; der Eingangssatz zeigt ein unruhiges Bild durcheinanderlaufender Stimmungslagen. Er mündet in ein Adagio, das fast choralartig beginnt; der strenge Grundcharakter des Themas wird dann im „ungarischen“ oder „Zigeuner“-Stil mit seinem improvisierenden Gestus aufgebrochen; Brahms hat Zigeunermusik früh kennengelernt und stets verehrt. Artikulation und Balance dieser Aufnahme entwickelten sich aus dem Umgang mit dem Instrumentarium. Ilia Korol spielt eine Geige von Cai von Stietencron im traditionellen italienisch cremoneser Stil, die aber „Modernisierungen“ aufweist, wie sie zu Brahms’ Zeit übliche waren. Das heißt Hals, Baßbalken, Griffbrett und Steg wurden verändert, um einen brillanteren und größeren Ton zu erreichen. Es wurde aber gerade in Wien noch auf Darmsaiten gespielt, wie auch auf dieser Aufnahme. Veronika Zimmermann |
|